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Eine Arbeitssituation

Lukas arbeitet in einem Hörgerätefachgeschäft als Hörsystemakustiker. Frau Schmid, 78-jährig, betritt das Geschäft. Sie erzählt Lukas, dass sie vor zehn Tagen einen Termin für einen Hörtest und eine anschliessende Beratung hatte. Daraufhin wurde ihr empfohlen, ein Hörsystemakustiker aufzusuchen.

Im Vorgespräch stellt Lukas weitere Fragen, damit er genau verstehen kann, in welchen Bereichen Frau Schmid sich eine Verbesserung ihres Hörvermögens wünscht. Um ihr die bestmögliche Lösung anzubieten, muss er genau zuhören und bei Unklarheiten nachfragen. Nachdem alle Fragen und Unklarheiten geklärt sind, schaut sich Lukas mit einem Otoskop* die Ohren und die Gehörgänge der Kundin an und führt anschliessend in einem Hörstudio mit einem Audiometer eine vollständige Ton- und Sprachaudiometrie durch. Aus den Ergebnissen schliesst er, wie gut Frau Schmid hört und wie gut sie noch Sprache versteht. Dabei stellt sich heraus, dass Frau Schmid tatsächlich nicht mehr gut hört und zwei Hörgeräte benötigt. Lukas erklärt ihr genau, welche Hörgeräte ihr helfen können und zeigt ihr verschiedene Modelle. Gemeinsam wird eine passende Farbe für das Hörgerät von Frau Schmid ausgesucht. Zum Schluss fertigt Lukas von ihren Ohren Abformungen für die Otoplastiken** an und vereinbart mit ihr einen neuen Termin. Nachdem Frau Schmid das Geschäft verlassen hat, dokumentiert Lukas gewissenhaft den Inhalt dieser ersten Beratung (Gespräch, Besonderheiten, spezielle Wünsche der Kundin) auf das Wesentliche zusammengefasst im Kundenverwaltungsprogramm.

Bei der Bestellung der Hörgeräte beachtet Lukas, dass die Kundin diese Modelle gut bedienen kann und ordert, wie mit ihr besprochen, zusätzlich eine Fernbedienung. Für die korrekte Auswahl berechnet er die notwendige Verstärkung und berücksichtigt dabei die Verstärkungsreserve für eine evtl. Verschlechterung des Hörvermögens in den kommenden Jahren. Die Abformungen bearbeitet Lukas in der Werkstatt präzise mit Skalpell und Fräse, so dass das Labor optimal vorbereitete Abformungen hat, um die Otoplastiken zu fertigen. Er überlegt sich, welche Otoplastikform die Kundin gut handhaben kann, da Frau Schmid an einer beginnenden Arthritis in den Fingergelenken leidet und sendet den präzise ausgefüllten Bestellbogen mit den Abformungen an das Labor.

Einige Tage später treffen die Hörgeräte ein. Lukas passt diese mit mit PC und Messgeräten so an, dass Frau Schmid wieder besser hören und in ihrer normalen Lebensumgebung teilhaben kann. Er zeigt ihr, wie sie die Hörgeräte in das Ohr einsetzt, herausnimmt, bedient und reinigt. In mehreren Folgeterminen wird Lukas die Programmierung aufgrund der Erfahrungen von Frau Schmid optimieren und die Veränderungen durch Messungen dokumentieren. Danach wird Frau Schmid in alle drei Monate vorbeikommen, damit Lukas die Hörgeräte reinigen und kontrollieren sowie Klein- und Verschleissmaterial austauschen kann.

* Ein Gerät zur Betrachtung und Untersuchung des äusseren Gehörganges einschliesslich des Trommelfells

**Die Kunststoffstücke für die Ohrmuscheln

Weitere Anforderungen

  • Ausgeprägte feinmotorische Fähigkeiten (Manuelle Arbeiten im Miniaturbereich, gute Auge-Hand-Koordination)
  • Gutes Sehvermögen für die sehr kleinen Bauteile und Abweichungen
  • Keine Allergien/Unverträglichkeiten gegen Kunststoffe, Silikone, Lösungsmittel und Stäube
  • Gutes räumliches Vorstellungsvermögen, um z.B. die dreidimensionale Verformung des Gehörgang bei Kieferbewegung zur Form der angefertigten Otoplastik in Beziehung zu setzen und so mögliche Druckstellen beurteilen zu können
  • Emotionale Belastbarkeit (Umgang mit Misserfolge sowie mit unzufriedenen, schlecht gelaunten oder enttäuschten Kunden)
  • Hohe Konzentration und Ausdauer (Auch bei grossem Arbeitsanfall sich auf jeden Kunden einstellen)
  • Ausgeprägte Kreativität und Problemlösefähigkeit, um für jeden Kunden eine individuelle Lösung zu finden
  • Flexibilität bzgl. Arbeitsort: Bereitschaft an Publikumsmessen mitzuwirken (Vor- und Nachbereitung, Arbeitseinsatz, Kundenkontakt)
  • Flexibilität bzgl. Arbeitszeiten: Bereitschaft regelmässig am Samstag (Einzelhandelsarbeitszeiten) und teilweise am Sonntag (Publikumsmessen) zu arbeiten
  • Flexibilität (Schneller Wechsel von detailgenauer, handwerklicher Arbeit zum direkten Kundenkontakt)
  • Freude am intensiven Kontakt, Einfühlungsvermögen (Freude im Umgang mit älteren Menschen, ohne sie zu patronisieren;
  • Empathie während der Kundenberatung)

Besonderheiten

  • Es gibt regionale Unterschiede: In Städten mit internationaler Arbeitnehmerschaft (z.B. Basel, Zürich, Genf) sind weitere Sprachkenntnisse, v.a. gutes Englisch von Vorteil. An den innerschweizerischen Sprachgrenzen ist die Zweisprachigkeit erwünscht.
  • Hoher zeitlicher Einsatz für die Berufsschule: Bereitschaft für den Weg zur Berufsschule längere Fahrzeiten zu investieren, da es z.B. für die Deutschschweiz nur eine Berufsschule in Olten gibt. Im ersten Lehrjahr fallen zwei Berufsschultage pro Woche, im zweiten und dritten Lehrjahr fällt jeweils ein Berufsschultag pro Woche an.